Good Fellas und das Porträt von Aufstieg und Fall eines Mafiamitglieds – gezeichnet durch De Niro

Die Triebkraft des Traums von der Mafia

Wenig im Leben ist vollkommen. Das, was aber dazu gehört und sich für jeden von uns Menschenseelen zu einem makellosen Bild zusammenfügt, sind Träume. Wir malen sie uns in einer Vollendung aus, in der wir die Realität nie zu Gesicht bekommen werden. Und gerade deshalb sind sie die größte Triebfeder, die uns dazu zwingt, unser Selbstbild verwirklichen zu wollen. Träume führen den Menschen das Bild davon vor Augen, wie sie sich die Welt wünschen und weisen die Richtung, in der jeder einzelne seine eigene Welt ein Stück besser machen will. Aber was bedeutet schon besser? Besser ist eine nicht definierte Vorstellung, die jeder für sich selbst festlegt. Bestimmt durch die eigenen Träume. Und weil die Illusionen in so schönem Glanzlicht zu Tage treten, will selbstverständlich niemand wahrhaben, dass der eigene Glaubenssatz nicht das hervorbringt, was er vielleicht verspricht. Man kann sich Reichtum und Einfluss als glorreiche Errungenschaften vorstellen. Aber was man dafür opfern muss – oder wen man dafür opfern muss – muss in der perfekten Illusion ausgeblendet werden.

Henry Hill hat im New York der frühen 1970er Jahre solch eine Illusion, die er für das Richtige und für das einzig lebenswerte Leben hält; zu der er aufrichtig steht. Henry träumt den Traum von Heldentum und Ehre. Und der Schauplatz seines Traumes ist das Dasein in der Mafia. Er zollt den berüchtigten Helden der Gangsterkarriere Respekt. Die Gier nach Rum und Reichtum blendet das Grauen der Brutalitäten aus, deren Zeuge Henry wird, als er beschließt, seinen Lebensweg entlang des blutbefleckten Pflaster des Verbrecherdaseins zu bestreiten. Martin Scorseses „Good Fellas“ (1990) verbildlicht den Werdegang eines Mafiosi im Glanz von Wohlstand, Luxus und dem Kontrast zwischen dem Vertrauen zu einer Familie und der Befürchtung, eines der Familienmitglieder könnte der eigene Henker sein.

„Good Fellas“ lässt seinem Publikum zuteilwerden, wie sich Henry Hill aus seiner Begeisterung für das Verbrechermilieu, Stehlen, Schmuggeln und Korrumpieren heraus ein Leben voll Wohlstand erschafft und wie sein Traum sich letzten Endes von einer Seite zeigt, die Henry zuvor nicht sehen wollte. 11 Jahre jung ist der Protagonist, als seine Erzählungen beginnen. Bei dem Rückblick in seine Jugend schwärmt der Gangster von den ersten Erfahrungen im Milieu und der – wie er selbst sagt – „glorreichen Zeit“. Die Hauptfigur der Geschichte wird in seiner frühen Jugend von einer italienischen Mafia aufgenommen, die ihn angesichts der sizilianischen Herkunft seiner Mutter an ihrem Gaunergeschäft partizipieren lässt. Der Strippenzieher Paul Cicero bereitet Henry die Stufen, auf denen er sich von Hilfsarbeiten zu stets bedeutenderen Tätigkeiten im Diebes- und Betrugsgeschäft hocharbeiten kann. Paul Cicero hat in den 60er und 80er Jahren die Gewerkschaften von Flug- und Handelsgesellschaften unter seiner Führung und kann unter der Androhung von Streiks die Unternehmen so ungehindert ausnehmen. Henry kann nichts Schlechtes an dem Broterwerb durch Diebstahl und Erpressung finden. Daher stellt er seine Position dem Zuschauer gegenüber klar heraus, spricht ihn direkt an und präsentiert ihm das Gangstergeschäft als ehrenvoll. Die direkte Ansprache des Filmbetrachters soll später noch auf die Spitze getrieben werden, als Henry im Filmfinale direkt in die Kamera und durch die vierte Wand hindurch mit dem Zuschauer spricht, während er erläutert, wie allein mithilfe von Geld und Korruption alle Verbrechen geregelt und abgesichert werden können. Selbst die Konfliktsituationen mit Gesetz und Justiz erscheinen in seinen Worten nicht im Licht einer Unannehmlichkeit oder gar Bedrohung. Henry reicht dem Publikum das Vokabular der Gangstersippe dar, die ihn unter ihre Fittiche genommen hat und betitelt seine erste Verhaftung als „Entjungferung“, die es würdig ist, gefeiert zu werden. Während seines Heranwachsens wird das Ausrauben von Lastwagen und Fluglieferungen für Henry zum Alltagsgeschäft. Der Schauspieler Ray Liotta schenkt seiner Figur ein Blitzen in den Augen. Neugier und Hunger nach den Reichtümern der Gangsterwelt sind in seinem Blick abzulesen.

Schwenk auf Kameraarbeit, Szenenbild und Musik:

Ausgefallene Anzüge, Lackschuhe, Schmuck: die Kamera fängt während Henrys Schilderungen der traumhaften Jugenderfahrungen die Charakteristika des italienischen Gangstermilieus ein. Und sie tut dies häufig aus einer von der Szenerie entfernten Beobachterperspektive; synchron zu den distanzierten Erzählungen Henrys von seinen jungen Jahren. Das Bild stoppt bei einigen Erläuterungen, während der Erzähler Henry aus seiner Sicht die notwendigen Schritte schildert, die er gehen musste, um Teil seiner Traumwelt zu werden. Zu Beginn der Beobachtungen des Protagonisten teilt das Szenenbild die Dunkelheit des Zwielichts im Milieu. Im Fortlauf des Films soll sich der Kontrast zwischen den schäbigen Bars des Gangstergeschäfts und dem Lichterglanz edler Etablissements auftun, in denen Henry und Co. ihr Geld mit ihren Frauen ausgeben. Auf der musikalischen Ebene begleitet die Untermalung durch Tony Bennets „Rags to Riches“ edel die Verwirklichung Henrys Traums, ein erfolgreicher Gangster zu werden und gestaltet das auditive Bild der Vorstellung von Einfluss und Reichtum. Sie vermittelt das Flair des Gangstermilieus der 60er.

Mitverantwortlich für die diamantenklare Reinheit Henrys Illusion ist Jimmy Conway – verkörpert von dem am anständigsten wirkenden Mafia-Gesicht der Kinogeschichte: Robert De Niro. Er wirkt als Jimmy bodenständig cool, der dem skrupellosen Gangsterdasein gelassen ins Auge blickt. Seine affirmative Ausstrahlung, Freundlichkeit und Offenheit machen ihn zu einer Person des Vertrauens. Divergent dazu greift Jimmy Conway knallhart beim Schuldeneintreiben durch und kehrt die Selbstverständlichkeit seines Anspruches auf Geld und Besitz nach außen. De Niro feiert heute seinen 74. Geburtstag; ein Grund nachzuforschen, auf welche Weise er dem Kinoporträt eines Mafiosi seine Handschrift beigefügt hat.

Aber vorerst zurück zum jungen, aufstrebenden Henry, der mit 21 Jahren Karen kennenlernt, für die er vorerst in der Sensation des Verbrecherdaseins keine Aufmerksamkeit übrig hat. Sie zu versetzen lässt sich Karen nicht bieten, was Henry an ihrer Finesse interessiert werden lässt. Ray Liotta macht dem Publikum als Henry glaubwürdig, dass dieser sich einerseits an die Machtstrukturen des Mafia-Klans zu klammern weiß. Er pflegt einen glanzvollen Umgang und ein anmutiges Auftreten gegenüber den Einflusspersonen des Milieus. Andererseits ist die Figur des Henry Hill ein zweischneidiges Messer. Er schreckt nicht davor zurück, die Aggressivität Herr über sich werden zu lassen, wenn jemand Anspruch auf seine Geliebte zu erheben scheint oder sie Demütigungen aussetzt. Eine Eigenschaft, aufgrund derer Karen ihm verfällt.

Schwenk auf die Kameraarbeit:

Während der Vermählungsfeier rückt die Kamera den Fokus auf die zahllosen Umschläge mit Geldgeschenken, die dem jungen Paar als Willkommenszeichen für Aufnahme in die Familie überreicht werden und stellt damit repräsentativ den Stellenwert von Kapital und der Loyalität der Verwandtschaft heraus.

Nach der Hochzeit beeindruckt er sie mit den Eventualitäten, die sich aus seinem Netzwerk einflussreicher Kontakte und seinem Reichtum ergeben. Er lädt sie in begehrte Etablissements ein und verreist mit ihr auf teure Urlaubstrips. Erst als sie unter ihresgleichen auf einer Feier von den Hausfrauen der Ganoven ist, erkennt sie, dass sich ihr soziales Umfeld und damit einhergehend ihr Dasein gänzlich verändert hat.

Schwenk auf die Kameraarbeit:

Unter all den Ehefrauen der Ganoven greift die Kamera Karens Beobachterperspektive auf, präsentiert dem Zuschauer in Close-ups die Fülle an Eigenarten der italienischen Frauen und kommentiert somit visuell Karens klagende Bemerkungen über den geschmacklosen Stil von billigem Make-up und Grobgestricktem.

Doch unter Henrys Einfluss nimmt sie das Gangsterleben ihres Gatten als Normalität hin. Schließlich ist sie entzückt über das, was ihr an dem Vermögen und den Reichtümern des Schmutzgeldes dabei zuteilwird. Karen beginnt, sich ihre Vorstellung des Werdegangs im Verbrechermilieu in den gleichen Farben zu gestalten, wie Henry. Die Praxis des Tötens hat für Henry und Karen Hill nichts Bestürzendes. Morden ist in ihrem Umfeld keine Schandtat und auch nichts, was der menschlichen Natur aufgrund ihrer Nächstenliebe widerstrebt. Das Töten ist die alltägliche Konstante, die das Geschäft im Lot hält. Es braucht keinen Anlass dafür. Das öffentliche Leben jedoch, welches die Verbrecher des Mafia-Klans um Paul Cicero jedoch nach außen kehren, zeichnet „Good Fellas“ im Kontrast zu dem Grauen ihres Alltagsgeschäfts. Gegenüber ihren engsten Familienmitgliedern spielen Henry Hill, sein Freund und Vorbild Jimmy Conway oder auch sein Mafia-Kollege Tommy ein Spiel mit gut gehüteten Karten. Sie konstruieren in ihrer Heiterkeit lächerlich wirkende Gerüste aus Lügen, während wir Zuschauer annehmen müssen, dass die Betrogenen nicht anders können, als die Hauptfiguren zu durchschauen. Aber sie wollen es nicht. In all den Annehmlichkeiten, die das Diebesgut hervorbringt, fällt es leicht, die Lügen hinzunehmen.

Nach einem gezählten Maß an Opfern, einem bezifferten Betrag an gestohlenem Geld und einem festgelegten Kontingent an Betrügereien lassen sich nicht alle Übel weiter verheimlichen. Henry kann seine Familie – seine Frau Karen und die gemeinsamen Kinder – mit dem Mafia-Leben nicht mehr vereinen. Karen verliert den Verstand, weil er sie betrügt und terrorisiert sowohl ihn, als auch seine Mätresse. Und trotz seines Ehebruchs ist sie ihm verfallen und sagt sich nicht von ihm los. Und dennoch setzt Karen Henry unter Druck, der ihn in seinem Hunger nach Macht und Einfluss im Gangstermilieu schließlich scheitern lässt. Als der Mafia-Trupp sich jemanden im FBI zum Feind macht, wird ihnen eine Verhaftung mit Medienpräsenz à la Star-Huldigung zuteil. Und Henry spricht davon als wäre dies eine Ehre. Das Gefängnisleben offenbart sich als dann in höchster Divergenz zur weitläufigen Vorstellung von Knastalltag. Die Gangsterbosse haben die Haftanstalt mit all ihren Wärtern von der Gemeinschaftszelle aus in ihrer Kontrollgewalt, was ihnen erlaubt, Luxuswaren hinter die Gitter zu schmuggeln und bonfortionöse Abendmahle zu kochen. Henry versucht sich indes in einem neuen Tätigkeitsfeld: er lässt neben Käse, Brot und feinsten Fleischwaren auch Drogen in die Zellen schachern.

Die Papierscheine mit den Dollarzeichen, geliefert in Schuhkartons oder verstaut in Koffern, haben Henry fest in ihrer Gewalt, als er das Gefängnis verlässt. Er wird nicht in die Freiheit entlassen, er wechselt lediglich die Rolle von einem Häftling des Staates zu einem Sklaven des Geldes. Henry Hill will das erfolgreich im Knast begonnene Drogengeschäft fortführen und seine Illusion von Reichtum und Einfluss Koksladung um Koksladung einen größeren Teil seiner Realität werden lassen. Nun muss er sich gleichwohl mit seiner neuen Erwerbstätigkeit von dem Mafia-Boss Paul unabhängig machen. Mit dem Drogenhandel bestreitet Henry einen Geschäftszweig, zu dem die italienische Mafia in New York unter Paul Cicero keine Verbindung haben will. Die Drogenfahnder sind nicht so einfach zu kaufen wie Straßen-Cops und die lukrativen Verführungen des Geschäfts können das Risiko einer 20-jährigen Haftstrafe nicht aufwiegen. “Christmas (Baby Please Come Home)” akzentuiert mit der Klangfarbe des Rock’n’Roll die Risikobereitschaft, die Henry für sein neues Geschäftsmodell des Drogenhandels zeigen muss.

Der von Robert De Niro dargestellte Jimmy Conway schreitet indes nach der Haftstrafe seinen eigenen leidenschaftlichen Pfad des Diebstahls entlang und landet mit einigen Gleichgesinnten aus Pauls Gaunerbande seinen größten, millionenschweren Coup: er raubt die Lufthansa aus. Aber Jimmy ist alleine unter seinen Handlangern, die es im Gegensatz zu ihm nicht fertigbringen, sich über Gier und Kauflust hinwegzusetzen und auffällige Luxusanschaffungen machen. Neben seiner Gelassenheit und Durchgriffstärke zeigt Jimmy auch durch das Geschäft verlangte Vernunft. Er weist seinen Kollegen Tommy zurecht, der unter einem Kontrollverlust angesichts der Macht, derer ihm seine Waffe bemächtigt einen Barjungen umbringt oder sich direkt nach dem großen Coup einen neuen Cadillac leistet. Doch bei den meisten der am Raub Beteiligten reicht das nicht aus. Kontrollwahnsinnig lässt Jimmy jeden einzelnen umbringen. Er kappt die Verbindung zwischen sich und dem Raub und Henry steht ihm während dieses Mordmarathons anspruchslos zur Seite.

Schwenk auf Kameraarbeit und Musik:

Auch die Kamera teilt Hektik und Wahnsinn des Geschehens, als die Frau eines Opfers von Jimmys Tötungswahn sich Sorgen um ihren vermissten Ehemann macht und zu Henry und Karen eilt. Schnelle Schwenks und die unruhigen Bewegungen einer frei geführten Handkamera greifen die inneren Erregungen und Ängste der Witwe auf. Das Stilmittel der Handkamera drängt sich während des Films nicht einmal auf, doch an diesem Punkt wird es zweckdienlich eingesetzt. Die zweite Hälfte von Eric Claptons „Layla“ kontrapunktiert mit den friedsam wirkenden Piano-Chords die Ausmaße Jimmys Mordmarathons, teilt aber seine Fröhlichkeit, mit der er scheinbar die Karriereleiter des Mafia-Daseins erklimmt.

Seine Gefälligkeiten gegenüber Jimmy Conway bringen James nun einmal mehr in Schwierigkeiten, dessen Anforderungen mit seinem eigenen Geschäft und Familienleben unter einen Hut zu bekommen. Er muss die Ansprüche seines Mafia-Freundes, seiner Mätresse und Koksmischerin mit denen seiner Frau in einen harmonischen Einklang bringen. Die Erzählung „Good Fellas“ illustriert die Ironie von Henrys stressigem Alltag, indem er von „6:55 a.m.“ bis abends zwischen Lieferantentreffen und der Fleischsoße hin- und herstürzen muss, die er für das Familienabendessen auf dem Herd stehen hat. Obendrein kreist den lieben langen Tag ein Hubschrauber über seiner Birne und Henry sieht sich mit dem Rätsel konfrontiert, ob er observiert wird oder vom vielen Koksen bloß paranoid ist. Letzteres wäre für ihn wünschenswert gewesen.

Schwenk auf die Kameraarbeit:

Den Stress Henrys an diesem Tag repräsentieren wiederholt dynamische Ranfahrten der Kamera an sein Gesicht, die das Minenspiel von Ray Liotta verschärft hervorkehren. Den Ausdruck des Gefühls gejagt zu werden vermittelt glaubhaft das Zusammenspiel von Kamera und Schauspielkönnen.

Das Gangsterleben zeigt sich für Henry auf dem Höhepunkt seiner Karriere von der bisher beiseitegeschobenen Schattenseite. Als er der Drogenfahndung ausgeliefert ist, ist er pleite machtlos. Seine Mafia-Genossen Paul Cicero und Co. lassen ihn fallen. Er verliert seine einflussreichen Beziehungen, da er sich auf das gefährlich dünne Eis des Kokainschmuggels begeben hat. Henry muss von seinem Traum erwachen. Die glanzvolle Kugel der Illusion voll Hochachtung, Wertschätzung und Wohlstand im Überfluss zerbricht und Henry Hill muss das hinnehmen. Seine „Fellas“ – seine Mafia-Familie – gewährt ihm nicht länger Beistand.

Schwenk auf die Kameraarbeit:

Die absurde Korrelation der Freundschaft zwischen Jimmy und Henry und Henrys Verdacht, Jimmy könnte ihn umbringen lassen, stellt abermals eine herausstechende Konstellation der Geschichte dar. Die wird erneut durch die Kameraarbeit aufgegriffen, die während eines Restauranttreffens der beiden mit einem Vertigo ein schwindelerregendes Bild der Begegnung zeichnet.

Wie der vom einst aufstrebenden und vornehmen Prachtkerl zum bleichen und zerzausten Kokainjunkie verwandelte Henry damit umgeht, soll an dieser Stelle offenbleiben.

Warum steht „Good Fellas“ beispielhaft für ein Porträt, das über Jahrzehnte den Werdegang im Mafia-Milieu verfolgt und von Robert De Niro so maßgebend getragen wird? Die durch ihn modellierte Figur des Jimmy Conway teilt einen Lebensweg mit dem Protagonisten, der von einer Vision beflügelt wird und doch auf seinem Höhepunkt von den Träumenden verlangt, die Augen aufzuschlagen und sich dem durchdringenden Blick der Realität zu stellen. Im Ursprung von Ray Liottas Figur Henry steht ein begieriger Gauner mit dem Selbstvertrauen sich bei seinen Routinegeschäften auf sicherem Ufer zu befinden – die notwendigen Deals mit der Polizei bestehen. Nach drei Jahrzehnten sind die cleveren, zuvorkommenden Umgangsformen mit den Verbindungen, die Henry großgemacht haben, seinem Rausch des schnellen Geldes gewichen. Im Ursprung von De Niros Figur Jimmy steht ein ebenso selbstsicherer Ganove, der gegenüber seinen Mafia-Freunden eine Insel des Vertrauens und einen polarisierenden Ruhepunkt des familiären Wohlbefindens einnimmt und die Gewaltbereitschaft seines durchsetzungsstarken Selbst nur bei Geschäftlichem nach außen kehrt. Nach drei Jahrzehnten ist die Kraft, mit der Jimmy daran festhält trotz seiner nicht-italienischen Wurzeln ein ehrenwerter Teil der Mafia zu werden, der Verzweiflung und Einsicht gewichen. Robert De Niro verleiht seinem Charakter Jimmy mit Tränen erstmals im Film wahre Anzeichen von Schwäche und Hoffnungslosigkeit, als er erfährt, dass sein Schützling Tommy ermordet wurde und damit auch Jimmys eigene Eintrittskarte in die inneren Kreise des Verbrecherklans gestorben ist. Damit macht De Niro den Fall des Jimmy Conway vollkommen. Die Strukturen des Verbrechernetzes agieren willkürlich und sind nicht durch eine einfache Gangsterkarriere zu erobern. Die Mafia bleibt Herr über Jimmy, er kann diesen Spieß nicht umdrehen.

Die Mafia ist der Lebenstraum, dem sich die Figuren von De Niro und Liotta verschrieben haben. Ein Lebenstraum, der sie zeichnet und nicht halten kann, was er zu versprechen scheint.

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